Riten, Aberglaube und Glück auf hoher See

Kein anderes Terrain war und ist mit so vielen Mythen, Rituale und Legenden bestückt wie die Seefahrt. Diese entstanden aus der Neigung der Matrosen das unberechenbare Leben auf dem Meer mit Geschichten und Bräuchen zu füllen, um Struktur in den Schiffsalltag zu bringen und bei Gefahrensituationen die Angst zu reduzieren. Neueste technologische Errungenschaften haben die Schifffahrt deutlich vereinfacht, aber natürlich halten Seeleute immer noch an ihren Traditionen und Talismanen fest. Denn sicher ist sicher! Frische Yachtbesitzer werden mit Sicherheit auf Unglücksbringer auf der Fahrt verzichten wollen.


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Böse Omen und Unglücksbringer

Eine vielfältig zelebrierte Tradition in der Seemannskultur ist die Schiffstaufe, welche vor dem Stapellauf durchgeführt wird. Der endgültige Name des Schiffes wird dabei mit dem Zerschlagen einer Flasche gefeiert. Der Inhalt der Flasche ist kulturabhängig. Während im Westen mit Sekt oder Champagner getauft wird, bevorzugt man in Indien zum Beispiel Kokosmilch. Doch überall geht es darum, dem Schiff auf allen Wegen Glück zu wünschen. Passiert ein Missgeschick während der Zeremonie, bricht für abergläubische Seeleute die Welt zusammen. Denn Zwischenfälle während der Taufe gelten seit jeher als ein wahres böses Omen.

Was Aberglauben in Verbindung mit Zahlen angeht, ist natürlich die Zahl Dreizehn Kandidat Nummer Eins in der Liste der Unglückszahlen. Weit verbreitet, gibt es sogar einen eigenen Begriff dafür: Triskaidekaphobie. Natürlich ist sie auch in der Seemannswelt äußerst unbeliebt. In Verbindung mit Freitag wird der Unglücksfaktor verdoppelt. An dem Tag wird garantiert kein Segel gesetzt. Ähnlich misstrauisch sind Matrosen gegenüber dem Tag des Maria Lichtmess, da sie glauben, dass eine Reise, welche zu der Zeit beginnt, mit einer Katastrophe endet.

Zu pechbringenden Taten auf hoher See zählt das Töten von Meeresvögel. Laut eines uralten Mythos leben die Seelen der Toten Kapitäne und Matrosen im Körper der Vögel weiter, weshalb sie von der Schiffsbesatzung verehrt werden. Besonderen Respekt zollt man den Albatros, dem König der Meereswinde. Obwohl es Geschichten gibt, die davon erzählen wie aus Not Vögel auf dem Schiff gejagt und gegessen wurden, gelten diese als Verzweiflungstaten. Generell wird jedermann, der ein Seevogel krumm anschaut, mit Misstrauen behandelt. Man will ja nicht den Fluch der toten Seelen riskieren. Um beschwerdefrei Reisen zu können, vermeiden Seeleute nicht nur tunlichst pechbringende Taten, sondern tragen zahlreiche Glücksbringer mit sich. Dass sie dabei ziemlich altmodisch wirken, interessiert wohl niemanden.

Seemanns Glücksbringer

An Bord zählen persönliche Gegenstände zu den Lieblingsglücksbringern. Die meisten Seeleute besitzen Kleinigkeiten, an denen sie hängen und als Talisman auf dem Schiff mit sich tragen. Kleine Erinnerungen wie Fotos oder Notizen trösten nicht nur in Gefahrensituationen, sondern auch vor Einsamkeit.

Schutz bieten neben modernster Technik und persönlichen Glücksbringern Heilige, die das Wetter bändigen sollen. Natürlich hat der religiöse Aspekt heutzutage eine mindere Bedeutung. Doch hier und da wird immer wieder ein Gebet gen Himmel gesendet. Zum Beispiel beruhigt der heilige Nikolaus einen Sturm, während Erasmus von Antiochia vor Blitzen schützt.

Als wahre Glücksbringer an Bord zählen Katzen. In der Vergangenheit wurden die Samtpfoten gegen Mäuse und Ratten mitgeführt. Ohne sie entarteten lange Reisen in Hunger und Verzweiflung, weil das Ungeziefer die äußerst knappen Nahrungsreserven wegfraß. Natürlich kann heute das Seemannsessen anderweitig geschützt werden. Doch Katzen sieht man immer noch gerne auf hoher See. Schließlich tragen sie mit ihrer bedächtigen Art dem Frieden auf dem Schiff bei.

Mit an Bord ist auch der Klabautermann, der Schiffsgeist oder -kobold, der oftmals als kleinwüchsiger Mann mit Hammer und Pfeife abgebildet wird. Das unsichtbare Wesen beteiligt sich am Schiffsbau und macht sich deshalb mit Poltergeräuschen bemerkbar. Unerklärbare Geräusche werden von Seeleuten deshalb als positiv bewertet. Der Kobold ist mit auf dem Schiff und wird bei Gefahren dem Kapitän ins Ohr flüstern, um eine Katastrophe zu verhindern. Zeigt er sich, so ist es ein besonders schlechtes Zeichen. Als treuer Kamerad und Unterstützer verlässt er das Schiff erst, wenn es untergeht.

Ob Schutzpatronen, Katzen oder der Klabautermann, diese Wesen sind treue Gefährten der Seeleute, die nach der Marinekultur die Fahrt auf hoher See mit Glück bestreuen. Verzichten die Menschen an Bord auf pechbringende Taten, steht einer angenehmen Reise nichts mehr im Wege. Wer nun seinen Traum von der eigenen Yacht verwirklicht hat, kann sich langsam mit den Traditionen und Riten der Seemannswelt vertraut machen, um Glück auf der Seereise zu garantieren.

Yacht der Woche

Yacht der Woche
Comfortina 42
Preis: 120.000,- €
Bauwerft: Comfort Yachts (SE)
Länge: 12,86 m
Baujahr: 2000